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Der Flaggenwerfer

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Er ist stoltz auf sich.

«Peter, du hast "stolz" falsch geschrieben? "Stoltz" ist der Zeichner dieser Geschichte. David Stoltz, der mich mit seinen Filzstiften ständig kitzelt. Ich bin jedesmal froh, wenn er eine Zeichnung fertiggestellt hat.»

«Zurück zur Geschichte mein lieber Genosse, da hast dich da etwas vorgedrängt. Das ist nicht dein Charakter. Ich weiss, du wolltest David nur ein Kompliment machen und ihm danken, weil er dich so echt darstellt. Lass mich jetzt wieder ran, ich habe ja noch diese Episode zu erzählen.»

An diesem Tag bleibt er im Hause. Warum? Das fragen sich die Tiere, welche an seinem Leben Anteil nehmen. Sie machen sich Sorgen. Die Stunden vergehen, er zeigt sich nicht.

Gegen Abend sind sie wirklich besorgt. Einige wollte beim Haus nachsehen. Der Platzhirsch hiält sie zurück. «Habt doch etwas Vertrauen, der macht nichts Dummes, glaubt mir, wir beide sind vom selben Kaliber.»

Tatsächlich, kurz vor Sonnenuntergang öffnet sich die Tür, unser Genosse tritt vor das Haus und schaut sich um. Die Tiere verstecken sich im Gebüsch, nur das Hirschgeweih schaut oben heraus.

Der Genosse schmunzelt, er hat sein Publikum entdeckt und kann sich dessen Aufmerksamkeit sicher sein.

Er geht zur kleinen Anhöhe und stellt sich mit gespreitzten Beinen hin. Dann dreht er sich mit einem kräftigen Ruck um seine Körperachse und schwingt einen Stock. Den wirft er mit einem lauten und fröhlichen Jauchzer hoch in die Luft. Dort oben entfaltet sich ein rotes Tuch, mit einem weissen Kreuz. Als es langsam wieder nach unten gleitet, fängt der Genosse es mit sicherem Griff auf. Das wiederholt er mehrmals, immer begleitet mit einem neuen Jauchzer.

Die Sonne hatt es eben noch miterleben können, bevor sie hinter den Bergen verschwindet um auch anderen Ländern ihr Licht zu spenden. Aber sie freut sich auf den nächsten Abend. Sie bedauert nur, dass es noch vierundzwanzig Stunden dauert bis dahin. Sollte sie sich nicht etwas schneller bewegen? Sie weiss, diese Spekulation ist überflüssig, sie war in einem grossen Gefüge eingebettet und kann nicht tun was ihr gefällt. Bei diesem Gedanken wird sie ganz rot im Gesicht, seither sind die Sonnenuntergänge rot.