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Die Taufpaten

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Dieses Dreigestirn der Alpen weckt seine Abenteuerlust.

Er hat sie zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten studiert. Jeder dieser Gipfel zeigt einen unverkennbaren Charakter. Einladend im Sommer, abweisend und unberechenbar in den kalten Monaten.

Sein Entschluss, sie zu besteigen, ist rasch gefasst. Er gibt ihnen Namen. «Eiger, Mönch und Jungfrau.» Er ist sich sicher, dass diese Schönheiten einmal die Herzen der Menschen erobern würden.

«Mein lieber Eiger, du hast mir jedesmal die kalte Schulter gezeigt. Ich habe dennoch den Einstieg in dein Herz gefunden.» Das war lange, nachdem ich auf dem Gipfel des Mönchs gestanden bin.»

«Meine Jungfrau, du hast mich am meisten gereizt. Deine Schönheit hat meinem Atem zu schaffen gemacht. Auch die unzähligen Versuche, dich zu besteigen. Du hast dich hartnäckig widersetzt. Als es dann soweit war, haben wir uns gegenseitig ins Herz geschlossen.

Damals war er mit rudimentären Hilfsmitteln ausstaffiert. Seine Beobachtungsgabe und der nimmermüde Erfindergeist haben ihn zur Herstellung praktischer Geräte angespornt. Jetzt ist er mit Eispickel und Schneeschuhen ausgerüstet.

«Du, mein Mönch, hast mich mit deiner Ruhe herausgefordert. Wir sind Freunde geworden. Die Aufenthalte in deinen Höhen wurden zu Meditationen.»

Es schien ihm, als schaue das Trio zu ihm herüber um ihn nach seinem Namen zu fragen. Mit einem Schlag wurde ihm bewusst, dass er namenlos war.

«Das wärs! Ich wünsche mir einen Namen, der zu mir passt.» Er schliesst die Augen, was er immer tut, wenn er einen Einfall erwartet.

«Hoppla, das ging schneller als üblich.» Er lacht und reibt sich die Hände. «Dass ich nie daran gedacht habe!» Er lacht nochmals, ganz spitzbübisch.

Er schaut nochmals zum Eiger, dem Mönch und der Jungfrau hinüber und blinzelt ihnen zu:
«Also dann, bis morgen.»