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Hallo New York

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Sepp will endlich einmal eine Weltstadt erkunden.

Die Maschine landet pünktlich am JFK Airport. Der Zollbeamte lässt ihn ohne Fragen passieren. Sepp eilt zum Ausgang, wo die Taxis stehen, um rasch in die City zu gelangen. Sein Magen knurrt. Er hat Lust auf italienische Küche.

«Taxi» ruft er und schon sitzt er in einer bequemen Limousine. Locker stützt er den rechten Arm mit dem Ellenbogen nach aussen auf dem offenen Fenster auf, wie er es vom Film her kennt. Dabei fällt ihm ein, dass ja bald die Oskar-Verleihung stattfindet.

In Gedanken macht er eine Überblendung und lässt das heranfahrende Taxi ins Bild kommen: Sepp setzt sich hinten rein, kneift die Augen zusammen und befiehlt mit rauchiger Stimme: «Fahr mich zur besten Trotteria hier in dieser langweiligen Stadt!» Don Vito Corleone in «Der Pate» ist Sepps Vorbild für diese gespielte Szene.

Er sieht die Augen des Taxichauffeurs im Rückspiegel. Sepp lässt seinen Blick auf dem Spiegel kleben, er hat sie auf hellblau und eiskalt eingestellt. Der Chauffeur hat verstanden und schaut eingeschüchtert auf die Strasse.

Im Village hält der Chauffeur und sagt: «Das ist "Umbria", das berühmteste Ristorante in diesem Viertel. Beste Lasagne und bester Wein aus Umbrien.» Sepp zieht ein paar Dollarscheine aus der Gesässtasche und will sie dem Fahrer in die Hand drücken. Dieser setzt sein Palaver fort. «Hier wurden zwei berühmte Mafiabosse massakriert.»

Sepp wäre fast aus der Szene gefallen. Eine rascher Schnitt bringt seine Hände ins Bild. Sein von Schrecken gezeichnetes Gesicht ist nicht sichtbar. Rasch fängt er sich auf. Mit grossem schauspielerischem Können und mit messerscharfer Stimme fragt er: «Umbrische Küche?» Dann nochmals einen Ton schärfer, langsam und bestimmt: «Mein Sohn, ich bin Siziliano, fahr mich zum Cortile, capito!?»

Die nächsten Bilder gehören jetzt eher zu den harmlosen: Zeit gewinnen, nennt es Sepp. Er kennt das, der Film soll ja mindestens 110 Minuten dauern. Gut, auch er geniesst die Fahrt durch das Village, das wie immer wimmelt von Menschen. Drei Minuten Filmmaterial sind gewonnen, als Sepp den Chauffeur sagen hört: «Il Cortile, Boss.» «Also, der hat ja rasch kapiert», denkt Sepp. Er hält dem Fahrer acht Dollarscheine hin und lässt sich die Tür öffnen. «Buon appetito, Don», hört er noch und geht dann auf das Lokal zu.

Schnitt. Sepp sitzt am besten Tisch und studiert die Speisekarte. Der Kellner steht daneben und sagt, «Wir servieren die besten Menüs aus Sizilien.» Sepp blickt zu ihm auf. «Deshalb ist das Lokal immer noch Treffpunkt der Mafia» Er blickt in Sepp's fragendes Gesicht und dann zum Nebentisch. Die Kamera schwenkt mit. Hier sitzen vier Italiener und stecken die Köpfe zusammen.

Schnitt. Sepp im Bild. Er schluck, Schweiss bildet sich auf der Stirn, er greift nach seinem Kleingeld, wirft es auf den Tisch und meint, «Ich habe ganz vergessen, dass mein Flugzeug in einer Stunde startet. Sorry.» Die Kamera ist jetzt auf den enttäuschten Kellner gerichtet. Sepp hat sich klugerweise entschlossen, aus dem Film auszusteigen. Gage hin oder her.

Jetzt steht er auf der Strasse. Sein Gefühl sagt ihm «Geh auf Sicher. Sein Magen meint, «Pressier einmall, sonst verhungere ich noch».

Er ruft erneut ein Taxi heran, steigt ein und lehnt sich erlöst in den Rücksitz. Die Filmcrew hat er einfach stehen lasen.

«Wo solls denn hin?» fragt der Chaffeur.

«McDonalds.»