« 1001 Nacht | Startseite | Die Falle in Casa Blanca »

Taxi nach Marrakesch

Desert.jpg

Sepp löscht das Licht, und schon geht's los.

Er träumt, Muhammad, der Stammesfürst der Tuaregs, habe ihm einen Tagelmust geschenkt - den blauen Baumwollschleier, der sein Gesicht vor Wind und Wetter schützen wird. Und einen Dolch mit Silbergriff, verziert mit rotem Achat und Ebenholz.

Muhammad nimmt Sepp ein letztes Mal zur Seite und flüstert ihm etwas zu. Sepp weiss jetzt, er wird den Dolch brauchen können. Die Zeiten sind rauh und das Wetter unbarmherzig. Er muss seinen Plan einhalten und am nächsten Abend in Marrakesch ankommen. Mit der neuen Swatch wird er sicher pünktlich sein. Die beiden umarmen sich, Sepp nimmt sein Bündel verlässt das Zelt.

Da steht Ali, Muhammads Sohn. Neben ihm erheben sich vier lange Beine.

«Oh!» sagt Sepp überrascht und folgt den geschwungenen Linien nach oben. Was Männer ja meistens tun in solchen Situationen. Aber was da auftaucht, erinnert ihn an den Kamelhaarpullover vom letzten Winter. Viel Wolle, blond und gekraust.

Seine Augen folgen dem etwas plumpen Körper. Ein kleiner Höcker taucht auf, ein gebogener Hals und ein Kopf mit einem grinsenden Maul. Ein Sujet, das ihm bekannt vorkommt: «Camel Filter», seine einstige Zigarettenmarke.

«Ist das meine Limousine nach Marrakesch?», denkt er. «Auf diesem Höcker? Da müsste doch eher eine Vertiefung rein.»

«Mein lieber Sohn», sagt eine warme, angenehme Stimme aus dem Nichts, dann langam und etwas zischend: «Pfusch mir nicht ins Handwerk, verstanden?» Sepp schluckt, dann nochmals, er blickt zum Himmel, dann zum Tier. «Was bin ich für ein Kamel! Dieser Gedanke mit der Delle war ja gegen den Tierschutz.»

Er wendet sich Ali zu und sagt «Welch schönes Tier du hast, lass mich aufsitzen bitte.» Muhammad steht beim Zelt und winkt ihm zu. «Pass auf, die Sonne brennt ungnädig, trink genügend Wasser und mach Pausen.»

Sepp ist schon eine Weile unterwegs, als er sich zu letzten Mal umblickt. Er sieht die Umrisse des schwarzen Zeltes, das sich in der flimmernden Glut aufzulösen scheint.

Die Stunden vergehen, Sepp fühlt sich schwach. Seine Augen nehmen einen verträumten Blick an und er fragt die Frau, die jetzt neben dem Kamel steht: «Meine Schönheit, wie heisst du?»

«Fata, Fata Morgana.»

Zweiter teil folgt