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Die Falle in Casa Blanca

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Sepp wirft den Wecker aus dem Fenster.

Er fällt nochmals in einen tiefen Schlaf. Caruso weckt ihn mit einem sanften Kitzeln. Sepp steht auf. Er weiss, in einer Stunde muss er in Casa Blanca sein.

Der Brief soll noch vor 11 Uhr weg. Das Kamel wartet, vollgetankt. Alles ist klar, er kennt die Route von seiner letzten Autorally durch Marokko.

Sepp liebt die Geschwindigkeit, er beherrscht das Kamel wie seinen Range Rover. Beide fühlen sich bequem an, die Sitze sind robust und machen jede Bewegung des Gefährtes mit. Sepp kann mit einem Fuss das Tempo drosseln oder es beschleunigen. «Fantastische Occasion», denkt er und kneift die Augen noch mehr zu.

Das Kamel ist schnell, die Zeit vergeht wie im Flug. Noch vor elf Uhr erreicht Sepp die Vorstadtgebiete. Bald taucht das bekannte Schild Casa Blanca auf. Wenig später steht er vor dem Postgebäude. «Angekommen», murmelt er und nimmt das Tagelmust vom Gesicht.

Dann geht er zum Postgebäude hinüber, hier stösst er die grosse Tür auf. Drinnen ist es angehnehm kühl. Er ist allein. Sepp geht auf den einzigen Schalter zu. Der Mann dahinter zählt Kleingeld, jetzt schaut er Sepp ins Gesicht, «Kenne ich ihn?», denkt Sepp und fragt dann, «Was mached au Sie da, Herr Steinberger?» In lupenreinem Luzerner Dialekt erwidert der Schalterbeamte, «Wie bitte?»

«Sind Sie der Emil vom Fernsehen?» «Nei, nei, gänd Sie mer jetzt dä Brief, i han kei Zyt zum Schwätze, I han ztue.»

Sepp schluckt verlegen und bezahlt für die Briefmarken. Dann schaut er den Mann hinter dem Schalter nochmals an und denkt, «Warte nur.»

Er verlässt die Post. Sepp folgt seinem Schatten, den die unbarmherzige Sonne auf den Wüstenboden brennt. Sein Ziel ist die Bar «Petit Prince» auf der anderen Strassenseite. Hier geht er direkt nach hinten, wo der Telefonapparat steht. Er steckt ein paar Dinars in den Automaten und wählt die Nummer des Postamtes. Er wartet.

Da! Am anderen Ende hebt jemand den Hörer ab. Sepp drückt die Hörmuschel an sein Ohr. «Das ist der automatische Telefonbeantworter von der Polizeistation, ähh nei äh, von der Post in Casa Blanca.» Sepp hängt auf und geht hinaus, die gleissende Sonne erwartet ihn. Er geht auf sein Cabriolet zu und sagt, «Dä Emil.»

Im Postgebäude zieht Viktor die Perrücke vom Kopf und schaut fragend zum Kameramann, der hinten im Dunkeln steht. Der nickt mit dem Kopf und sagt, «Mer händ en verwütscht Herr Giacobbo.»