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Die fantastischen Vier

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Ein Riese steht vor ihnen

Er trägt verwaschene Jeans. Ein grinsender Totenkopf ziert die Gürtelschnalle. Das Hemd ist verschwitzt und schwarz wie seine Fingernägel. Um den Hals hängt eine goldene Kette, darauf sitzt ein feuerroter Kopf. «Ich bin Hägar, der Schreckliche!!» brüllt er, «Was macht ihr hier?»

Sepp regt sich, Gion hält ihn zurück. «Lass ihn schreien», flüstert er, «das ist der Anführer der Hells Angels aus Zürich. Die haben eine grosse Schnurre.» Sepp beruhigt sich.

Jacques lädt Hägar zu einem Glas Rotwein ein. Hägar lacht, setzt sich dazu und leert das erste Glas im einem Zug. Eine halbe Stunde später ruht sein roter Kopf auf dem Tisch. Schnarchen macht sich breit.
Um Mitternacht entschliessen sich die vier Freunde, ihre Zimmer aufzusuchen. Sie wollen anderntags früh raus.

Sepp legt seine Hand auf die Schultern des Höllen-Engels und sagt «Gute Nacht», doch der macht keinen Wank. Er greift nach dem Puls des wilden Roten. «Das gefällt mir nicht», sagt er zu Gion. Da ist nicht viel zu fühlen. Auch Gion ergreift die Hand des gefallenen Engels: «Schwach bis unregelmässig. Ein Fall für den Arzt.»

Giovanni kommt dazu und sagt ernst, «Wir müssen ihn hinbringen, die anderen schlafen schon.» Oui, maintenant" pflichtet ihm Jacques bei.

«Wer kennt den Weg ins Tal?» Gion hebt die Hand: «Lass uns beeilen.» Sie knöpfen dem Hells Angel das Hemd zu und ziehen Ihm die Lederjacke an. Jacques, der Kräftigste, hievt den Kerl über seine Schultern und stapft zur Tür.

Draussen ist es dunkel und kalt. Es windet. Der Mond scheint nur als Sichel. Mit der Taschenlampe leuchtet Gion den Weg aus. Er geht Jacques voraus. «Was für ein Brocken!» denkt er. Jacques folgt ihm, Giovanni, und Sepp bilden den Schluss.

Der Pfad ist schmal, steinig und leicht schneebedeckt. Die Männer bewegen sich vorsichtig und folgen Gion, der sie sicher führt. Giovanni tauscht mit Jacques und Sepp abwechselnd das höllische Gewicht. Gion erzählt von seiner Jugendzeit hier in den Bergen. Das gibt den andern Zuversicht.

Das Dorf taucht aus dem Dunkeln auf. Die Kräfte der Vier sind am Schwinden, die Muskeln zum Reissen gespannt, die Nerven angeschlagen.

«Endlich!» ruft Gion: «Das Haus des Arztes!» «Dieu merci!» sagt Jacques. Giovanni macht das Kreuz. Gion schaut dankend zum Himmel auf.

Jetzt sitzen sie schweigend im Wartezimmer und bangen: «Ob er über die Runden kommt?» Da öffnet sich die Tür, der Arzt schaut herein, sein Gesicht ist entspannt. «Ohne Schutzengel hätte er es nie geschafft!»

Die Blicke der glorreichen Vier begegnen sich: «Welch ein Hochgefühl!»