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Die ergiebige Pause

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Die letzten Tage haben Sepp viel abverlangt.

Er hat sich auf alles eingelassen und gewonnen. Er fühlt sich stark, unbeugsam und in seinem neu gewonnenen Freundeskreis gut aufgehoben.

Er sitzt vor dem Haus. Der Tag nach seiner Heimkehr zeigt sich freundlich. Eine gute Gelegenheit für einen Tagtraum.

Sepp muss dafür kein Tor durchschreiten, keine Treppen steigen, keine Brücke überqueren. Bei ihm geht das fliessend. Mal sehen, wo er sich heute befindet:

Er sitzt am Rand des grossen, runden Brunnens, der sich in der Mitte des «Place des Idées» befindet. Die Fische haben ihn erkannt und schwimmen näher an ihn heran. Mit ihren Mustern und Farben, die ihre Körper zieren, wecken sie seine Fantasie. Einige springen hoch aus dem Wasser und schlagen Salto Vitales. Sepp wischt sich die Spritzer vom Gesicht und lacht: «Schlaumeier.»

Er hat keinen Plan, keine Eile, nichts Vorgefasstes, blinzelt in die Sonne und schaut dann in Richtung der grossen «Allee der Worte.» Er hört eine Stimme, die Worte zu Perlenketten knüpft. Neugierig geht er näher und setzt sich auf die nächste Bank. Welch ein Kunstwerk! Bilder tauchen vor seinen geschlossen Augen auf, die ihn zu einer Wanderung einladen. Sepp lässt sich darauf ein.

Die Taube hat auf ihn gewartet und begrüsst ihn herzlich. «Komm, flieg mit mir über den See der grossen Bilder. Es gibt Neues! Der See hat seine Gemälde aus der Tiefe geholt und sie auf seiner spiegelnden Oberfläche ausgestellt.» Ein Bild fasziniert Sepp ganz besonders. Er fliegt näher heran. Er vernimmt eine Melodie, eine Symphonie. Er sieht die Tafel: «Parque des sons», liest er. «Da verweile ich ein wenig», sagt er und verabschiedet sich von der Taube.

Das Orchester ist kaum sichtbar, die Musiker sitzen auf den vom Herbst rötlich gefärbten Blättern. Sepp nimmt ihre Bewegungen wahr. Die Orchestermitglieder sind in bunte Stoffe gekleidet, der Dirigent in Regenbogenfarben. Sepp liegt in der Wiese und lässt sich von den aussergewöhnlichen Klängen wegtragen.

«Was kitzelt mich denn da?» Caruso sitzt auf seiner Nase und schüttelt den Kopf. «Sepp, komm, du musst diese Episode ferig machen, die Leser warten drauf.»

«Caruso, hast du geschlafen? es ist bereits geschehen.»