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Die Rückreise

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Sepp ist wieder auf den Beinen.

Die Gastfreundschaft von Jacques half ihm schnell, den feuchten Schreck zu überwinden. Gestern hatte er ihm den Rebberg gezeigt, den er liebevoll pflegt. Die Wirkung des Weins kennen wir ja schon. »Du lieben die Schnee in die Berge, meine Amour ist die Rebberge», sagte er schmunzelnd.

Sie haben viel gelacht, viele Gemeinsamkeiten entdeckt und Freundschaft geschlossen.

Heute, beim Abschied steckte ihm Jacques noch ein paar Flaschen Wein des besten Jahrgangs in den Reisebeutel.

Den trägt er jetzt, auf dem Weg zur Busstation, mit sich. Das frohe Klirren der Flaschen begleitet ihn. Es ist spät, der Bus wartet schon.

Ausser Atem kommt Sepp an der Haltestelle an. Er steht verschwitzt vor dem Chauffeur und erkundigt sich nach der Endstation: »Le paradis gratuit?» Der Chauffeur nickt und fragt: »Sind Sie die Lieferante für diese Wein, wo dorthin gehen soll?» Sepp packt die Gelegenheit und meint in lupenreinem Französisch »Oui, mon cher.» Der Chauffeur führt ihn zum bequemsten Platz und hängt ihm die Jacke an den Haken. »Fast wie bei der Swissair», schwärmt Sepp in Gedanken.

»Isch habe etwas Fromage und weisse Wein», offeriert der Chauffeur.

Das Rattern des Motors bringt ihn zurück in die Wirklichkeit. An diesem Montag sind die Zeitungen voll von seinem spektakulären Sturz aus dem Ballon. Einem geistesgegenwärtigen Touristen aus Japan gelang es sogar, den Absturz auf Video aufzunehmen. Dieses flimmert nun über die Bildschirme auf der ganzen Welt.

Ihn kümmert das nicht wirklich. Er geniesst die Fahrt. Hier, auf der Strasse am Genfersee entlang bewundert er die Landschaft, die Ferdinand Hodler meisterhaft auf Leinwand hinterlassen wird.

Der Bus kurvt die Serpentinen hoch, fährt durch Täler und an Flüssen entlang, ab und zu hält der Chauffeur an einem Aussichtspunkt. Sepp ist glücklich.


»Paradies libre!» hört er den Fahrer ausrufen. Benommen von den Schönheiten der Natur nimmt er die Jacke vom Haken, schultert seinen Beutel und steigt aus.

Da steht er zwei Fremden gegenüber.