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Salut Sepp

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Irritiert dreht der Sepp sich um.
«Wer kommt denn da?»

«Salut Sepp, meine Name is Jacques. Isch abe disch gesehen von die Berg.»

Sepp reibt sich die Augen, schluckt trocken und sagt zuerst einmal nichts. Bis jetzt war er allein in diesem Paradies, geht es ihm durch den Kopf, jetzt sieht plötzlich alles verdächtig nach Teilen aus.

«Ça va?» sagt der Fremde. Sepp steckt seine Hände in die Hosentaschen und nimmt eine dominante Stellung ein. «Abschrecken» nennt er das. Er atmet tief und seine Schlauheit kehrt mit einem Mal zurück.

«Ich verstehe gar nichts», denkt er. «Salut Sepp», sagt er. «Non, non», antwortet sein Gegenüber: «Jacques.»

«Da haben wir es, Schagg muss sein Name sein«, überlegt sich Sepp. «Aber Teilen liegt nicht drin, gäll.» Trotzdem hat er kein schlechtes Gefühl, sein Gegenüber hat ein fröhliches Gesicht mit rosa Backen.

Jacques holt etwas aus seiner Schultertasche: Eine Kürbisflasche und zwei Becher. Dann macht es «plopp», etwas fliegt weg, und er füllt die Becher mit einer roten Flüssigkeit. Einen Becher drückt er Sepp in die Hand, mit dem andern stösst er kurz an Sepps Becher und sagt «Prost.» Sepp gibt auf und sagt ebenfalls «Prost.» Dann nehmen beide einen Schluck. Sepp noch einen zweiten, einen dritten... . «Momoll» sagt er zu Jacques - und dann «Nomal.»

Jetzt sitzen beide unter einem Apfelbaum, die Vögel in der Krone lauschen dem Gelächter. Sie hören ständig die Stimme «Prost» sagen und eine zweite Stimme die «encore une fois, mon ami» antwortet. Die Sonne macht sich auf den Heimweg und lässt vier rosarote Backen zurück.

Als die Sonne in Ankara ankommt, sitzen die beiden immer noch am gleichen Ort, und die Backen werden immer röter.

Sepp, im Halbschlaf, denkt Sepp das erste mal ans Teilen.