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Der Sturzflug

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Es erwischte ihn auf dem linken Fuss.

Beim Fall aus dem Korb schaltet er instinktiv auf Zeitlupe um. Das angenehme Rauschen des Flugwindes entspannt seine Sinne. Er nimmt die Landschaft unter sich wahr, sieht rechts die Rebhänge, unterbrochen von saftigen Blumenwiesen. Eine Fuchsfamilie sonnt sich am Waldrand, der See leuchtet und glitzert blauweiss. Ein paar Fische kapriolen auf dem Wasser. Sepp geniesst den Sturz und segelt elegant, alle Viere von sich gestreckt, auf das Wasser zu.

«Das erinnert mich an den Zürichsee», geht es ihm durch den Kopf. Das war im ersten Sommer, als er zaghaft Bekanntschaft mit dem Wasser gemacht hatte. Damals war er allein im Letzibad, das von Schrifsteller Max Frisch gestaltet wurde. «Den würde ich gerne mal treffen», denkt er.

Seine Gedanken kehren zur Gondel zurück. Ihm kommt die Bananenschale in den Sinn, auf der er ausrutschte. «Merde» , würde Jacques jetzt sagen. Aber Sepp fiel etwas anderes dabei ein. Andy Warhols Banane, welche das erste Album von Velvet Underground zierte.

Während er genussvoll dahin gleitet, schaltet er die Zeitlupe noch etwas herunter. Jetzt hat er deren Musik im Ohr. «Das waren noch Zeiten!», schwärmt er und sieht sich im Rückblick von der Schule nach Hause eilen, um die Hitparade auf Tonband aufzunehmen.

Jacques fällt ihm ein, während er gleichzeitig den Landeflug einleitet. Er stellt die Füsse und Hände gegen den Flugwind. Er peilt das nahe Ufer an, um möglichst sanft aufsetzen zu können.

Dieses Manöver beansprucht seine ganze Konzentration. Deshalb übersieht er den Mann am Ufer. Es war Jacques, der mit einem Handtuch winkte und auf ihn wartete.

Was für ein Empfang!