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Die Suchaktion

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Sepp schüttelt es gewaltig, die Windboe
hat den Korb beinahe umgekippt.

Fast hätte er den Halt verloren und mit ihm sein noch so junges Leben. «Ich muss mich besser konzentrieren,» murmelt er etwas benommen. «Mein Vorhaben darf nicht scheitern.»

Der Schatten unter dem Ballon schlich sich - wie der Fuchs auf seinen Erkundungsgängen - über Felder und Wiesen. Sepp hat sich beruhigt und denkt über die Parallelität dieses Bildes nach. Ja, auch er sucht nach einem Lebenszeichen.

Nachdem er sich von Jacques verabschiedet hatte, dachte er oft über ihn nach. Erstmals tauchte in ihm das Gefühl von Einsamkeit auf. Trotz seinen Tierfreunden, die ihm viel Freude bereiten, fehlt ihm eine menschliche Beziehung.

«Austausch, das ist es, was ich suche.» Er schliesst die Augen und lässt seine erste Begegnung mit Jacques nochmals Revue passieren. Über sein Gesicht breitet sich ein friedlicher Ausdruck aus.

«I want to live,
I want to give. I've been a miner for a heart of gold», summt Sepp vor sich hin. Er liebt Neil Youngs Lieder, eine seiner ganz frühen Endeckungen. Dieser Song drückt so sehr sein Gefühl aus.

Er sucht Jacques, den er in sein Herz geschlossen hatte. Welch ein Typ, so gelassen und herzlich! Was für einen Humor er hat und wie grosszügig er ist! Sepps Gesichtsausdruck geht in ein sanftes Lächeln über. «Ich kenne mich ja gar nicht so.» sagt er. «Jacques hat mir eine neue Welt eröffnet.» Er blickt nach unten, um nichts zu verpassen.

Irgendwo hier in dieser Gegend musste er sein. «Isch lebe an eine Banane-See.» hatte er Sepp erzählt. Ihm war klar, Jacques meinte, dass der See an dem er lebt, die Form einer Banane hat. «Das muss der Lac Leman sein, da wo sie dieses Montrö Tschäss-Festival haben.»

Sepp steuert den Ballon gegen das Nordufer des Sees. Er reduziert die Flamme, um den Sinkflug einzuleiten. Plötzlich rast das Wasser auf ihn zu. Instinktiv gibt er mehr Flamme, um einen Sturz zu vermeiden, doch diese Bewegung lässt ihn stolpern.